Stress lass nach - Teil 1 von 3

01.03.2012

Stress - das Hilfsmittel der Natur

Wussten Sie, dass akuter Stress nicht zwangsläufig etwas Negatives ist? Im Gegenteil, Stress erhöht die Konzentration und stärkt das Immunsystem. Ohne die stressbedingte Ausschüttung von Adrenalin, Noradrenalin und Kortisol wären beispielsweise sportliche Höchstleistungen gar nicht möglich. Auch würden unsere Leistungen in Prüfungen aller Art ohne diese körperliche Erregung weitaus schlechter ausfallen. Denn positiver Stress, auch „Eustress“ genannt, erhöht unsere Aufmerksamkeit und fördert die maximale Leistungsfähigkeit unseres Körpers.

Bei freudigen Reaktionen oder Ausdauersportarten wie beispielsweise beim Joggen werden übrigens positive Stresshormone, die Endorphine, ausgeschüttet, was zu Entspannung, Motivation und Wohlbefinden führt.

Ein Leben ohne Stress kann es gar nicht geben und jeder von uns hat wahrscheinlich auch schon Gefahrensituationen und Veränderungen im Leben erlebt, in welchen Stress sehr hilfreich war.

Chronischer Stress, eine Falle

Achtung geboten ist allerdings dem chronischen Stress gegenüber: Denn dauerhafter Stress wirkt sich negativ auf unser Immunsystem aus. Zahlreiche Studien haben ergeben, dass chronischer Stress zu einer Reihe von gesundheitlichen Risiken führen kann: erhöhter Blutdruck, Wachstumshemmung, Hemmung von Immunreaktionen und ein Abfall der Konzentrationsfähigkeit sind nur einige Beispiele.

Und nicht nur der Stress selbst birgt Gesundheitsrisiken, auch unser Umgang mit ihm. Obwohl laut einer Bevölkerungsumfrage der Techniker Krankenkasse Bewegung und Sport noch die beliebtesten Mittel der Stressbewältigung sind, gefolgt von Gesprächen mit vertrauten Menschen, gibt es auch einen beträchtlichen Anteil von Personen, die zugaben, bei Stress auf Genussmittel wie Chips, Schokolade, Zigaretten oder Alkohol zurückgreifen.* Die Gefahren, solcher Reaktionsmuster im Zusammenhang mit Stress, sind wohl jedem bekannt: Übergewicht, erhöhtes Lungenkrebs-Risiko, erhöhtes Herzinfarkt-Risiko, Schädigungen der Leber usw..

Dass in unserer heutigen, schnelllebigen Gesellschaft immer mehr Personen unter chronischem Stress leiden, zeigt sich in meiner Praxis leider ganz deutlich in der steigenden Rate von Burnout-Patienten. Was ist die Ursache dafür? Als häufigste Stressursache sehen deutsche Arbeitnehmer laut einer Umfrage der Techniker Krankenkasse Termindruck oder Hetze (Graphik s.u.).

Die Folgen von über Jahre andauernden großen Stressphasen können dramatisch sein. Nicht selten kehren Betroffene überhaupt nicht mehr ins Berufsleben zurück und brauchen Monate, wenn nicht sogar Jahre zur psychischen Stabilisation. Deshalb ist es für jeden ratsam, sich mit dem Thema Stress einmal auseinander zu setzen und für ein langes, gesundes und angenehmes Leben den persönlichen Stress so weit wie möglich zu begrenzen.

Ein wichtiger Schritt in diesem Zusammenhang ist es, die eigenen Stressquellen zu identifizieren. Denn wie will man etwas verändern, dessen Ursprung nicht ganz klar ist? Lesen Sie die folgenden Fragen durch und überlegen Sie sich, ob Sie der jeweiligen Frage zustimmen. Wenn dem so ist, finden Sie im entsprechenden Abschnitt hilfreiche Tipps, um diese Stressquelle zu reduzieren!

* (Vgl. TK Kundenkompass, Aktuelle Bevölkerungsbefragung: Ausmaß, Ursachen und Auswirkungen von Stress in Deutschland, Mai 2009)

1. Nehmen Sie sich oft mehr vor, als sie ganz in Ruhe schaffen können?

Überlegen Sie doch mal, was Sie sich so alles auf Ihre To-do-Liste für einen Tag setzen, egal ob diese schriftlich oder nur im Kopf existiert.  Schaffen Sie häufig nicht alles, was Sie sich für den Tag vorgenommen haben oder erledigen Sie meist alles, aber fühlen sich am Ende des Tages erschöpft und ausgepowert?

Beides ist ein Anzeichen dafür, dass Sie sich zu viel vornehmen, sich unter zeitlichen Druck setzen und dazu neigen, sich zu überfordern. Damit schaden Sie sich selbst sowie ihrer sozialen Umwelt durch Ihre daraus resultierende Unausgeglichenheit.

DAS HILFT

Setzen Sie Prioritäten
Schauen Sie sich die To-do-Liste an und überlegen Sie, was davon wirklich wichtig ist, für Sie, Ihren Arbeitgeber, Ihre Familie. Welche Aktivität bringt Ihnen persönlich am meisten? Bringen Sie so Ihre Vorhaben in eine sinnvolle Reihenfolge und arbeiten Sie diese nacheinander ab. Wichtig ist hierbei auch, seinem Gegenüber zu kommunizieren, wie viel Zeit Sie wirklich benötigen. Planen Sie dabei lieber etwas mehr als zu wenig Zeit ein. Wenn Sie früher fertig sein sollten, wird man sich freuen. Lassen Sie sich nicht hetzen und hetzen Sie sich auch selbst nicht, indem Sie beispielsweise Ihrem Chef gegenüber unrealistische Zeitangaben machen.

Planen Sie Extraminuten ein
Planen Sie auch für Wege immer 15 Minuten mehr ein, als Sie glauben zu benötigen. Sie werden überrascht sein, wie sehr diese paar Extraminuten entspannen!

Lassen Sie sich nicht ablenken
Lassen Sie beim Abarbeiten der Prioritätenliste so wenig Ablenkung wie möglich zu. Das heißt, öffnen Sie keine Social Media im Hintergrund Ihres Bildschirms, reagieren Sie nicht auf weiter eingehende Mails und stellen Sie wenn möglich sogar das Telefon ab oder zumindest zeitweise auf lautlos.

Setzen Sie Aufgaben ohne zeitliche Priorität auf eine Wochenliste
Muss eine Aufgabe nicht unbedingt heute erledigt werden? Dann setzen Sie diese auf eine Wochenliste und erledigen Sie die Aufgabe, wann immer Ihnen danach ist. Sie können dafür auch jeden Tag eine Stunde freihalten. Sie werden sehen, so kann auch eine kleine, einfache, aber unter Druck lästige Aufgabe, zu einer netten, kleinen, kurzfristigen Zerstreuung werden. Danach sind Sie sicher wieder motiviert, sich den Aufgaben mit höherer Priorität zuzuwenden.

Setzen Sie die grünen Häkchen
Haken Sie bewusst erledigte Aufgaben ab und freuen Sie sich über kleine Erfolge.
Bei größeren Erfolgen haben Sie umso mehr ein Recht auf Belohnung: Gehen Sie schön essen, kaufen Sie sich Blumen, öffnen Sie eine Flasche Sekt, gönnen Sie sich eine Massage oder tun Sie etwas, dass Sie schon lange einmal machen wollten. Und das Wichtigste dabei: Genießen Sie Ihre Belohnung. Sie haben sie sich verdient! Das motiviert, auch weiterhin mit Elan bei der Arbeit zu bleiben. Und wenn es Ihnen Spaß macht, ersetzen sie die Häkchen mal durch nette Smileys :-)!

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Kommentar von M. R. | 04.06.2012

Ich lese gerade über das Thema, da eine Freundin seit einiger Zeit über Stress klagt und ich mir sorgen mache, wir (sie und Ihre Mitmenschen) könnten die Situation falsch einschätzen. Schön finde ich, dass auch erwähnt wird, dass Stress nicht zwangsläufig etwas negatives ist. Das habe ich auch auf einer anderen Seite gelesen (http://www.zarosa.de/wellness/stress-%E2%80%93-der-unsichtbare-feind/): Da wurde es nicht mit der Leistung im Sport anschaulich gemacht, sondern mit der "Stress-Situation" bei der Jagd - unsere Vorfahren hatten also auch schon Stress und hätten ihr Körper sich nicht in einen Stresszustand versetzt, wären wir heute nicht hier. Manche kommen damit besser klar als andere, das finde ich wichtig zu betonen. Es gibt nun mal Menschen, die lassen sich nicht von einem vollen Terminkalender schocken, andere versetzt eine solche (eigentlich harmlose) Tatsache in echten Stress. Man kann daher keine pauschalen Aussagen treffen und sollte es tunlichst vermeiden, allgemeingültig negativ über wenig belastbare oder labile Menschen sprechen. Ich finde Ihren Beitrag sehr gelungen und vor allem die Tipps für den Alltag (Häkchen setzen) sehr wirkungsvoll. Vielen Dank.