Stress lass nach - Teil 2 von 3

12.03.2012

In diesem zweiten Teil des Artikels „Stress lass nach“ finden Sie ein paar hilfreiche Tipps, wie Sie innere stressfördernde Faktoren wie Perfektionismus reduzieren und sich vor Stress von außen schützen können.
Lesen Sie die folgenden Fragen durch und überlegen Sie sich, ob Sie der jeweiligen Frage zustimmen. Wenn dem so ist, finden Sie im entsprechenden Abschnitt hilfreiche Tipps, um diese Stressquelle zu reduzieren!

1. Haben Sie Schwierigkeiten „Nein“ zu sagen? Wollen Sie es am liebsten allen Recht machen?

Wenn Sie versuchen, möglichst alles zu erfüllen, was von Ihnen erwartet wird und Sie sich womöglich selbst dabei noch denken „Das ist ja auch nicht zu viel verlangt, das sollte ich schaffen“, vernachlässigen Sie womöglich Ihre eigenen Bedürfnisse.
Horchen Sie doch mal in sich hinein und ergründen Sie Ihre eigenen Wünsche, Einstellungen und Meinungen. Wenn diese nicht mit den Anforderungen, die von außen an Sie gestellt werden, übereinstimmen, zeigen Sie Selbstbewusstsein und wagen Sie es auch einmal „Nein“ zu sagen. Wie oft haben Sie schon von anderen ein „Nein“ gehört? War das jedes Mal ein Problem? Haben Sie es ihren Mitmenschen übel genommen oder konnten Sie es oft auch verstehen? Oder haben Sie womöglich selten ein „Nein“ gehört, weil Sie gar nicht erst fragen? Überdenken Sie Ihre Einstellung zum Geben und Nehmen. Ein Ungleichgewicht auf diesem Gebiet sorgt psychisch oft für enormen Stress.

DAS HILFT

Bedenkzeit erbitten und Nein sagen
Das Problem des „Zeitmangels“ ist meist nicht, dass die Zeit tatsächlich zu knapp ist, sondern vielmehr, dass Sie sich zu viele Aufgaben aufladen.
Falls es Ihnen schwer fällt, einfach und deutlich „Nein“ zu sagen, können Sie die Angst vor Ablehnung ein wenig entschärfen, indem Sie beispielsweise um Bedenkzeit bitten (so kann Ihnen keine Unüberlegtheit zum Vorwurf gemacht werden). Dann sollten Sie höflich aber konsequent ablehnen.

Verantwortung beim Anderen lassen
Meist sagen wir „Ja“, weil wir Angst davor haben, wie unser Gegenüber ein „Nein“ aufnimmt. Er könnte enttäuscht sein, verärgert sein, mich als egoistisch bezeichnen oder anderweitig schlecht über mich denken. Versuchen Sie diese Ängste zu reflektieren und Ihre Denkblockaden zu lösen, indem Sie sich folgendes vor Augen halten: Es kann sein, dass  Ihr Gegenüber negative Gefühle empfindet, wenn Sie nein sagen. Vielleicht ist er enttäuscht oder sogar sauer. Aber er ist selbst für seine Gedanken und Gefühle verantwortlich und muss lernen damit umzugehen auch mal ein „Nein“ zu ernten. Schuld an negativen Reaktionen sind nicht Sie, sondern Erwartungen, Bewertungen und Reaktionsmuster des Anderen. Vielleicht wird er ein bisschen brauchen, um mit der Ablehnung umgehen zu können, doch so leicht werden Sie Ihren Job/ Partner/ Freund nicht verlieren! Im Gegenteil, auf Dauer wird man Ihnen dafür Respekt zollen.

Zeigen Sie Selbstbewusstsein
Wenn Sie eine bestimmte Meinung zu einem Thema haben, so wird das seinen Grund haben. Lassen Sie sich nicht leicht verunsichern und stehen Sie zu Ihrer Meinung! Das beinhaltet auch das Ablehnen von Bitten, mit denen Sie sich nicht anfreunden können.
Der Mut, „Nein“ zu sagen, kann außerdem Ihr Selbstbewusstsein stärken.

Keine entschuldigenden Erklärungen
Und übrigens: Sie brauchen keine Erklärung geben, weshalb Sie etwas ablehnen. Ein klares “Nein“ ist unmissverständlich und beschwört keine weiteren Diskussionen herauf.
Wenn Sie öfter mal sagen „Das schaffe oder das will ich nicht“ wird auch Ihre Umwelt lernen, weniger Anforderungen an Sie zu stellen. So können Sie dauerhaft Ihre Belastbarkeit senken!

2. Wollen Sie immer alles perfekt machen?
Ein Problem unserer heutigen Gesellschaft ist, dass einem Perfektionismus als wünschenswert und besser noch, als erreichbar suggeriert wird. In den Medien finden wir ständig superschöne, supererfolgreiche, superglückliche oder superreiche Menschen. Und es wird uns vorgemacht „Auch du kannst das schaffen, wenn du nur hart genug dafür arbeitest“. Doch wir sollten uns bewusst werden, dass auch von diesen Vorbildfiguren immer nur die Schokoladenseite gezeigt wird, denn: Niemand ist perfekt!
Stehen Sie zu Ihren Fehlern und Macken. So lange Ihre Eigenarten Sie selbst und andere nicht stark belasten, ist alles im grünen Bereich!

DAS HILFT

Seien Sie lieber einmalig als perfekt
Sie werden staunen, wie viele Sympathien Sie wecken, wenn Sie Ihren Freunden eine kleine Anekdote über ein kürzlich passiertes Missgeschick erzählen. Denn überlegen Sie mal: wer mag schon jemanden, der nie einen Fehler macht und bei dem scheinbar auf Anhieb alles klappt?

Verschieben Sie ihren Fokus
Nehmen Sie anstatt Ihrer Schwächen und dem, was noch zu machen ist vielleicht lieber einmal Ihre Stärken und was schon erledigt ist in den Fokus. Denn das ist genauso Realität und sollte ebenso Beachtung finden!

Blasen Sie kleine Aufgaben nicht unnötig auf und teilen sie große Aufgaben in kleine Schritte ein
Der höchste Berg wurde auch nur Schritt für Schritt erklommen. Versuchen Sie also die kleinen Fortschritte zu sehen, zu würdigen und damit zufrieden zu sein. Viele Leute wollen immer gleich alles zu 100% machen, frei nach dem Motto „wenn schon, denn schon“. Allerdings führt dies oft dazu, dass Aufgaben so ein Ausmaß annehmen, dass sie nicht sofort erledigt werden können. Sehen Sie beispielsweise ein Fenster, was dringend geputzt werden sollte und denken sich „das mache ich lieber mit den anderen Fenstern zusammen, die Wohnung benötigt ohnehin eine Grundreinigung“ so zögern Sie das Putzen wahrscheinlich wieder sehr lange heraus, weil ja „nie genug Zeit dafür ist“. Diese Last sorgt dann in Ihrem Hinterkopf wochenlang immer mal wieder für Stress. Wenn Sie dagegen zeitnah erst mal nur das eine Fenster putzen, freuen Sie sich im Anschluss über ein sauberes Fenster und eine erledigte Aufgabe. So können Sie übrigens auch große Aufgaben in kleine zufriedenstellende Schritte aufteilen.

Sendepause für das mäkelnde Monster – ihren inneren Kritiker
Viele neigen dazu, sich selbst gegenüber unbarmherzig zu sein und sich zu tadeln, wenn Sie etwas nicht gut genug machen. Das führt natürlich zu Frust und Druck. Kaum steht kein Lehrer oder Elternteil mehr tadelnd hinter einem, schon übernimmt die Stimme im eigenen Kopf diesen Stressfaktor. Seien Sie nicht so streng mit sich. Es wird immer etwas geben, was Sie an sich noch verbessern können. Wären Sie perfekt, gäbe es keinen Raum mehr für positive Veränderungen, die wiederum Erfolgsgefühle auslösen.

Ein kleiner Trick, um Selbstkritik leichter loszuwerden: Stellen Sie sich Ihren inneren Richter zum Beispiel als kleines, hässliches, mäkelndes Monster vor, welches Sie nicht so ernst nehmen müssen. Immer wenn es auftaucht, verbieten Sie ihm einfach den Mund und schicken es zurück in seine eigene Schlammgrube.

  3. Fehlt Ihnen auch manchmal die nötige Ruhe zum Arbeiten?
Fehlt Ihnen beim Arbeiten oft die nötige Konzentration oder Inspiration? Sitzen Sie womöglich im Großraumbüro und können bei dem Lärm nicht richtig arbeiten? Oder haben Sie genügend Ruhe, Ihnen fehlt aber die nötige Kreativität? Lärmen zu Hause Kinder und Partner?

DAS HILFT

Suchen Sie Kraftplätze
Suchen Sie doch mal nach einem Ort, an den Sie sich ungestört zurückziehen können und wo Sie in  neuer Umgebung womöglich die nötige Inspiration finden. Dies sollte ein Ort sein, an dem Sie sich für gewöhnlich nicht aufhalten und mit dem Sie nicht schon (negative) Erinnerungen verknüpfen.
Das kann die leere Kantine  ein leerer Besprechungsraum, ein verwaistes Café oder Restaurant oder einfach eine Parkbank in der freien Natur sein. Darüber hinaus ist Ruhe auch in Bibliotheken und Museen zu finden.

Machen Sie kleine Pausen
Oft sitzt man vor dem PC und kommt einfach nicht weiter. Man hat den Eindruck eine Blockade im Kopf zu haben und neue Ideen fehlen. Oder aber alles läuft auf Hochtouren inklusive Ihres Blutdrucks. Machen Sie kurz Pause! Meist tut es schon gut, nur 5-10 Minuten an die frische Luft zu gehen und sich die Beine zu vertreten. Wenn es Ihnen irgendwie möglich ist, bleiben Sie nicht an Ihrem Platz sitzen und versuchen dort eine Pause zu machen – ein Ortswechsel allein birgt schon einen gewissen Erholungswert. Bei Rauchern geschieht das oft ganz von allein durch kurze Pausen an der frischen Luft J. Das Gehirn wird besser durchblutet und die Gedanken können wieder fließen! Sie werden überrascht sein, wie viel leichter Ihnen so neue Ideen kommen und wie Sie mit frischer Tatkraft wieder ans Werk schreiten können.

4. Haben Sie das Gefühl,  es reißt nicht ab, Sie geraten von einer hektischen Phase in die nächste?

Sie kommen aus dem Büro nach Hause und es erwartet Sie ein Partner/ Familienmitglied/ Mitbewohner, der auch wieder Ansprüche an Sie stellt? Eigentlich wollen Sie nichts außer ein paar Minuten Ruhe, doch es wird erwartet, dass Sie Essen machen, Einkaufen gehen oder sich um die Kinder kümmern? Oder gibt es andere Dinge, die Sie davon abhalten, zur Ruhe zu kommen? Abschalten gelingt Ihnen dann am Ende des Tages womöglich nur in Form von Ablenkung vor dem Fernseher oder beim Lesen eines Buches?

DAS HILFT

Suchen Sie einmal bewusst das Alleinsein
Nehmen Sie sich eine Auszeit von Ihren Mitmenschen, machen Sie einen ausgiebigen Spaziergang oder suchen Sie sich irgendeinen beliebigen Ort, an welchem Sie abschalten können und nur für sich sind ohne sich dabei einsam zu fühlen. Nehmen Sie vielleicht ruhige Musik mit und ziehen Sie sich in Tagträume zurück. Und auch für nicht gläubige Menschen ist in Kirchen Ruhe und Einkehr zu finden. All das hilft dabei, den Kopf frei zu bekommen von all dem Trubel, der Sie im Alltag umgibt.

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Filme, Buchtipps, Songs & Übungen

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